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Spielräume öffnen

„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“ – diesen viel zitierten Satz von Friedrich Schiller bestätigt heute die Neurowissenschaft: Im Spiel entfalten Menschen die Potenziale, die beim alltäglichen zweckgeleiteten und funktionalen Tätigsein weitgehend brachliegen.

Im Spielen erfahren sie, wie lebendig sich absichtsloses, augenblicksgeleitetes, spontanes Sich-Ausprobieren anfühlt. Spielerische Lebenskunst ist ein Gegenentwurf zu einem Wirken, das durch Effektivität, Funktionalität und Gewinnmaximierung geleitet ist. Manchmal finden sich Lösungen für das „echte Leben“ nicht dort, wo man sie zielstrebig sucht, sondern, eher unbeabsichtigt: in Spiel-Räumen.

Ein spielerischer Lernprozess, an dem Körper, Geist, Sinne und Emotionen beteiligt sind, ist eine lustvolle und nachhaltige Erfahrung und das Gehirn läuft dabei zur Hochform auf. Spielerisch die Welt erforschen – nichts anderes macht ein Kind in den ersten Lebensjahren, in denen Lernen und Spielen identisch sind.

Diese Tatsachen sind in der Theaterpädagogik lange bekannt und Theorie und Praxis der noch jungen Wissenschaft bauen auf diesen Grundsätzen auf.

Eine neue Entwicklung ist, dass die Theaterpädagogik mit ihren unterschiedlichen Mitteln und Methoden zunehmend in immer mehr gesellschaftlichen Bereichen ihren Einsatz findet: im soziokulturellen Feld über Inklusions- und Integrationsprojekte, bei Spracherwerb und Sprachförderung, in der Arbeit mit alten, auch mit kranken Menschen bis hin zu theatralem Coaching in Unternehmen.

Und das gelingt so, weil im Mittelpunkt immer der Mensch steht, der spielt – egal wo er herkommt, wie alt er ist, welche Sprache er spricht oder welche körperlichen und geistigen Fähigkeiten er hat – der Mensch, der sich spielerisch erlebt und entwickelt.

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