ECHT JETZT! das Performance-Festival in Reutlingen und Tübingen

ECHT JETZT! – eine internationale Performance-Begegnung vom 07. bis 13. Juli 2019 – in Tübingen und Reutlingen

1. Das Anliegen

ECHT JETZT! ist die Aufforderung und Einladung, sich mit der eigenen Lebenswirklichkeit auseinander zu setzen. Sich selbst zu fragen, wie sich die Welt, in der wir leben, anfühlt, was unsere Wirklichkeit ist und wie wir dazu stehen. Was begeistert mich, was klage ich an, was möchte ich erzählen? Welche Haltung zeige ich?

ECHT JETZT! möchte dazu ermutigen, Fragen zu stellen, die jede und jeder vielleicht nur für sich selbst beantworten kann und als Momentaufnahme. Anstoß dazu kann ein „Perspektivwechsel“ sein, ein Blick von außen auf das Eigene, Vertraute. Zum Beispiel durch Menschen aus anderen Kulturen, die eine ganz eigene andere Sicht auf die Dinge haben.

Eingeladen ist ein Querschnitt unserer Bevölkerung sich mit dieser Frage auseinander zu setzen. Eingeladen sind Künstler*innen und Kunstvermittler*innen, die ihre eigenen Sichtweisen und Darstellungsformen einbringen.

Eingeladen sind Künstler*innen und Kunststudent*innen aus anderen Kulturkreisen.

ECHT JETZT! soll eine Plattform darstellen, auf der unterschiedliche Vorstellungen, Wahrnehmungen und Empfindungen von Welt sichtbar werden, indem Künstler*innen zusammen Performances erarbeiten und indem Künstler*innen und Kunstvermittler*innen mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppierungen zusammenarbeiten. Aus dieser gemeinsamen Arbeit sollen Performances entstehen, die in einem Stationen-Parcour im öffentlichen Raum der Städte Reutlingen und Tübingen einer breiten Öffentlichkeit gezeigt werden.

2. Haltungen finden

Performance ist ein Begriff, der nicht nur in Theater- und Kunstkreisen zur Zeit in aller Munde ist.

Keine andere Kunstform ist so reichhaltig und vielfältig wie die Performance-Art.

Bedeutete der Begriff „performance“ ursprünglich im Englischen einfach nur „Vorstellung“, so steht er heute für die Möglichkeit, aus allen menschlichen Ausdrucksformen Vorstellungen zu entwickeln, die Welt zu erfassen und den eigenen Standpunkt darin zu finden und darüber in einen Austausch mit anderen zu kommen.

Performer*innen behaupten nichts auf der Bühne, sie tun nicht so „als ob“, sie spielen keine Rolle, sondern sind, was sie sind: Zeichen, Handelnde, Anschauungsobjekte und -subjekte.

Sie fragen nach dem Authentischen. Wer kann über das „Authentische“ glaubwürdiger Auskunft geben als derjenige, den die Performance-Gruppe Rimini Protokoll „den Experten des Alltags“ nennt ? Mit anderen Worten: Jedermann, Jedefrau, Jedeskind?

Performance kann im besten Sinne Partizipation bedeuten, keine elitäre Hochkultur, nichts Exklusives, sondern die Entdeckung des Besonderen im Alltäglichen, betrachtet durch einen besonderen Blickwinkel – durch die Distanz zu sich selbst oder durch den Blick des „Fremden“ auf das eigene Selbstverständliche.

Bei Performance – und speziell bei unserem Performance-Projekt ECHT JETZT! – geht um das Selbsterleben, das Hineinbegeben, das Ausdrücken sowie das Erkunden von Verborgenem und Sichtbaren.

Es geht darum, Haltungen zu finden, Haltung zu zeigen. Haltung zu (mitzu-)teilen.

3. Die Präsentationen

Die öffentliche Phase des Festivals wird 6 Tage dauern: 3 Tage in Reutlingen und 3 Tage in Tübingen. Die Performances werden im öffentlichen Raum, auf Straßen, in Gassen und auf Plätzen, in Läden und öffentlichen Einrichtungen der Innenstädte gezeigt.

In Reutlingen kann zusätzlich das TheaterPädagogikZentrum genutzt werden.

Die Orte und Stationen sind markiert bzw. bildkünstlerisch gestaltet. Für jeden Ort wird eine eigene Performance-Idee entwickelt. Zusammengefasst bilden diese Orte einen Parcour, den die Zuschauer*innen als Roadmap in einer Übersicht bekommen.

An jedem Festivaltag findet eine Stadtbegehung statt, die jeden Tag an einem zentralen Punkt startet. Die Zuschauer wandern mit einem Plan von Ort zu Ort.

Die Orte werden je nach Setting unterschiedlich lange bespielt.

Alle Zuschauer haben die Möglichkeit, alle Aktionen im Laufe eines Tages zu sehen.

Nach dem 3. Tag wird eine eigene Performance den Weg zwischen den Städten Reutlingen und Tübingen gestalten und so einen Brückenschlag, eine Verbindung zwischen den Städten und Projektteilen herstellen.

4. Die Beteiligten und ihre Vorbereitung International

An dem Festival sollen lokale, nationale und internationale Künstler*innen teilnehmen, die sowohl eigene Performances entwickeln sowie auch mit Menschen unterschiedlicher Altersgruppen aus Reutlingen und Tübingen Performances erarbeiten. Internationale Künstler*innen werden eingeladen, um mit ihren Sichtweisen aus anderen kulturellen Kontexten neue Perspektiven für Orte in Reutlingen und Tübingen zu entwickeln.

Im Oktober 2018 treffen sich Kunstvermittler*innen aus Deutschland mit Künstler*innen aus Asien in Chiang Mai (Thailand) zur Vorplanung der Begegnung.

Ab Juni 2019 entwickeln 7 internationale, 13 nationale Künstler*innen gemeinsam mit Kunstvermittler*innen Performances im Austausch mit Menschen unterschiedlicher Altersgruppen aus Reutlingen und Tübingen an den Orten, an denen sie wirken. Die internationalen Künstler*innen kommen aus Myanmar, China, Thailand, Vietnam und der Türkei.

Im Juli 2019 bildet ein 6-tägiger öffentlicher Performance-Parcour in den Innenstädten von Reutlingen und Tübingen den Abschluss des Projekts.

5. Die Beteiligten und ihre Vorbereitung National

Im Zeitraum zwischen Herbst 2018 und Juni 2019, entwickeln Schulen, Jugend-, Universitäts- und Sozialeinrichtungen mit Unterstützung lokaler Künstler*innen und Kunstvermittler*innen unter der Leitung von Mitarbeiter*innen des TheaterPädagogikZentrums BW Performances für die Parcours in Tübingen und Reutlingen.

Teilnahmemöglichkeiten – bis zu 6 Projekte pro Stadt sind denkbar:

° Schulklassen, Theater- und Kunst AGs können sich bewerben und bekommen 20 Stunden Unterstützung durch Künstler*innen oder Kunstvermittler*innen

° Es wird ein Seminarangebot an der Universität gemacht

° Projektangebot in Sozialeinrichtungen mit einer Unterstützung von bis zu 20 Stunden

° Inklusive Theatergruppen z. B. der Bruderhaus Diakonie

° Projekte mit geflüchteten Menschen

Unterstützt von Kunstvermittler*innen der  TheaterPädagogikZentrum BW in Reutlingen werden Schul- und Jugendtheatergruppen im Vorfeld mit den Methoden und Arbeitsweisen der Performance vertraut gemacht und in ihrem Arbeitsprozess begleitet.

Den Schülergruppen soll die Möglichkeit gegeben werden, sowohl in Reutlingen, als auch in Tübingen ihre Performances zu präsentieren. Den Zuschauer*innen des Festivals in Tübingen wird auch die Möglichkeit gegeben, in Reutlingen die Performances zu sehen und umgekehrt.

Daraus soll sich ein reger Austausch entwickeln, verbunden mit den internationalen Performance-Künstler*innen, die an beiden Orten arbeiten. Befördert wird ein internationaler und interkultureller Dialog, der auch die Städte Reutlingen und Tübingen verbindet.

Kooperationspartner:

° Stadt Tübingen

° Stadt Reutlingen

° TheaterpädagogikZentrum BW e. V.

° Künstlerbund Tübingen

° Sudhaus Tübingen

° Universität Chiang Mai/Thailand

° New Zero Art Space, Yangon/Myanmar

° Schulen und Sozialeinrichtungen aus Reutlingen, Tübingen und Umgebung

 

Zeitlicher Ablauf

Februar bis Juli 2018: Konzeption und Finanzierung, Vernetzung

Juli 2018: Ausschreibungen an Schulen, Einrichtungen und Einladungen an Künstler, national und international

September 2018 erste Informationsveranstaltung für interessierte Einrichtungen und Gruppen

Oktober/November 2018 Planungstreffen und Symposium an der Universität

Chiang Mai, Thailand.

ab Oktober 2018 Einführungsworkshop „Performance“: Einrichtungen können mit

Unterstützung an den Performance-Projekten arbeiten (eventuell auch später noch z. B. Sommersemester 2019)

Mai/Juni 2019 Planung des Stadtparcours, Orte festlegen, Veröffentlichungen

erstellen, Werbung machen

Juni/Juli 2019 Anreise nationale/internationale Künstler*innen, Performanceworkshops durch Künstler*innen, die Ergebnisse sind Teil des Parcours.

Juli 2019 Festival mit Performance-Parcours in Reutlingen und Tübingen